Führungskräfte: Gesundheit weiter besorgniserregend!

Mehr als die Hälfte der deutschen Führungskräfte ist laut einer umfangreichen Auswertung eines Check-up-Anbieters übergewichtig (1). 56 % der Untersuchten haben zu hohe Gesamtcholesterinwerte und gut ein Fünftel hat durch zu hohe Zuckerwerte ein hohes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Neben den besorgniserregenden Ergebnissen zur Gesundheit der Führungskräfte ist darüber hinaus bedenklich, dass rund 75% der Personen mit diagnostiziertem Bluthochdruck davon nichts wussten. Damit wird unter anderem deutlich, dass viele Manager ihr Gesundheitsrisiko nicht ausreichend wahrnehmen. Aber nicht nur die gesundheitlichen Folgen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebserkrankungen und Diabetes stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Lebensstil. Auch die Leistungsfähigkeit ist bekanntermaßen durch diese verhaltensbedingten Gesundheitsrisiken beeinträchtigt (2).

Einfluss von Übergewicht auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit

Die Auswertung der 10.000 Routine-Untersuchungen bei Führungskräften (80% männlich, 66% zwischen 41 und 60 Jahren) ermittelte, dass sogar 12% der Check-Up-Teilnehmer fettleibig sind. Fettleibigkeit ist mit einem stärkeren Abfall der kognitiven Leistungsfähigkeit über die Jahre verbunden. Auch das Risiko an Demenz zu erkranken ist bei Personen mit Übergewicht deutlich erhöht (2). Nicht zuletzt begünstigt allein starkes Übergewicht Krebserkrankungen um bis zu ein Drittel (3). Studien zum Zusammenhang von mangelndem Gesundheitsverhaltens und der Produktivität zeigen insgesamt einen linearen Abfall der Leistungsfähigkeit um 2,4% pro zusätzlichen Risikofaktor. Je weniger verhaltensbedingte Risiken vorhanden sind, desto produktiver sind die Mitarbeiter (4).

Die Frage, die mit der Untersuchung nicht beantwortet wurde, betrifft die Ursachen für das risikoreiche Gesundheitsverhalten der Führungskräfte. Trotz hohem Bildungsgrad und hoher Selbstwirksamkeit als wesentliche Voraussetzungen für gesundheitsbewusstes Verhalten, scheint ein gesunder Lebensstil auch bei Führungskräften kein Selbstgänger zu sein. Vor diesem Hintergrund wird auch die Wirksamkeit von kostspieligen Manager-Check-ups diskutiert, die in vielen Unternehmen meist als Incentives für Führungskräfte und Mitarbeiter angeboten werden (5-6).

Wirksamkeit von Check-up-Angeboten ungenügend

Eine groß angelegte Studie konnte zeigen, dass Reihenuntersuchungen in Bezug auf die Sterblichkeit keine Effekte zeigen (5). Unabhängig davon, ob den Personen ihr individuelles Risiko bewusst ist oder nicht: die Wahrscheinlichkeit für einen frühzeitigen Tod durch Krankheiten ist gleichgroß. Wie Experten in den neuen Leitlinien für die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen schreiben, bedeutet das Wissen um das persönliche Gesundheitsrisiko in den wenigsten Fällen, dass anschließend entsprechende Verhaltensänderungen langfristig in den Alltag integriert werden (5). Für das Betriebliche Gesundheitsmanagement sind dies wichtige Hinweise darauf, dass das Angebot einer jährlichen Reihenuntersuchung nicht ausreicht, um bei Mitarbeitern, egal welcher Hierarchieebene, die individuelle Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Führungskräfte als Multiplikatoren

Da Gesundheitskurse, die die Verbesserung des Gesundheitsverhaltens unterstützen sollen, häufig ohnehin nur von gesundheitsbewussten Mitarbeitern, meistens Frauen, genutzt werden (7), ist ein effizienterer Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Mitarbeitern zu diskutieren. Die Führungskraft wird derzeit meist als Risikofaktor beschrieben, während die praktische Erfahrung zeigt, dass sie vor allem entscheidender Erfolgsfaktor für die Gesundheit und damit Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern ist. Wissenschaftliche Ansätze, das Gesundheitsverhalten von Mitarbeitern über die Führungskraft zu verbessern, existieren kaum und beschränken sich bislang allenfalls auf die Themen Arbeitssicherheit und psychische Gesundheit (8). Dabei haben die Vorbildfunktion und auch der authentische und wertschätzende Dialog zwischen Führungskraft und Mitarbeiter zu den wichtigen Themen Körperliche Aktivität und Ernährung einen positiven Effekt. Evaluierte Praxisbeispiele zeigen den bedeutsamen Einfluss, den Führungskräfte durch ihre Multiplikatoren-Rolle in Bezug auf ein verbessertes Gesundheitsverhalten und eine größere Zufriedenheit bei Mitarbeitern und sich selbst haben (9, 10).

 

Quellen:

(1)      „Das ‚tödliche Quartett‘ jagt viele Manager“. Handelsblatt Online-Artikel vom 08.11.2013.

(2)     Dregan, A., Stewart, R. & Gulliford, M. C. (2012). Cardiovascular risk factors and cognitive decline in adults aged 50 and over: a population-based cohort study. Age and Ageing, 0, 1-8.

(3)     Ma et al. (2013). Obesity and Risk of Colorectal Cancer: A Systematic Review of Prospective Studies. PLOS One, 8(1).

(4)     Burton, W. N., Chen, C. Y., Conti, D. J., Schultz, A. B., Pransky, G. & Edington, D. W. (2005). The association of health risks with on-the-job productivity. Journal of Occupational and Environment Medicine, 47(8), 769-77.

(5)     Lasse T Krogsbøll, L. T., Jørgensen, K. J., Larsen, C. G. & Gøtzsche, P. C. (2012). General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. The Cochrane Library, 12.10.2012.

(6)     Schuler, G. C., Koenig, W., Adams, V. & Gohlke, H. (2013). Kommentar zu den neuen Leitlinien (2912) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur kardiovaskulären Prävention. Kardiologie 7, S. 251-260.

(7)     Kaulen, H. (2010). Ein Check-Up kann der Gesundheit und der Kasse schaden. FAZ Online vom 19.04.2010. Verfügbar unter https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/vorsorgemedizin-ein-check-up-kann-der-gesundheit-und-der-kasse-schaden-1967284.html

(8)     Franke, F., Vincent, S. & Felfe, J. (2011). Gesundheitsbezogene Führung. In E. Bamberg, A. Ducki & A.-M. Metz (Hrsg.), Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement in der Arbeitswelt. Ein Handbuch (S. 371-391). Göttingen: Hogrefe.

(9)    Lümkemann, D. (2007). Führungskräfte als Botschafter. Personalwirtschaft – 08/2007

(10)  Lümkemann, D. (2011). Die Produktivität steigt. Personalmagazin – 03/2011.

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