WHO erkennt Burn-out erstmals als Krankheit an

Wenn es um die Definition von Krankheiten geht, orientieren sich Ärzte und Krankenversicherer an dem wichtigsten, weltweit anerkannten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO hat nun Burn-out als Krankheit in diese Klassifikation (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) aufgenommen.

Definition der WHO

Die WHO beschreibt Burn-out als Syndrom aufgrund von „chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird“. Entscheidend sei hier das Wort „Arbeitsplatz“, denn die WHO betont, dass der Begriff Burn-out nur im beruflichen Kontext Verwendung finden sollte. Eine Übertragung auf „andere Lebensbereiche“ dürfe nicht stattfinden.

Drei Dimensionen der Krankheit

Laut den Gesundheitsexperten könne die Krankheit drei verschiedene Dimensionen annehmen. Dazu zähle erstens das Gefühl von Erschöpfung, zweitens die zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Beruf und drittens das reduzierte berufliche Leistungsvermögen.

Fazit

In der Definition heißt es „chronischer Stress am Arbeitsplatz“ und nicht „chronischer Stress durch den Arbeitsplatz“. Die WHO beschreibt somit nicht die Ursachen. Ein chronischer Stress am Arbeitsplatz bedeutet also nicht, dass zwangsläufig die Umstände der Arbeit bzw. des Arbeitsplatzes die Ursache sind. Burnout ist nämlich nicht beschränkt auf Belastungen, die im Zusammenhang mit Erwerbsarbeit stehen. Vielmehr können langsam schleichende Burnout-Prozesse auch durch anhaltende Belastungen aus Familien-, Pflege-, Hausarbeit sowie ehrenamtlicher Arbeit entstehen. Deshalb halten wir die ausschließliche Verwendung des Begriffs Burn-out auf den beruflichen Kontext, auch wenn dieser nicht als Ursache genannt wird, für irreführend. Denn, Burn-out ist multifaktoriell und der entstehende Stress wird erst dann zu einem Gesundheitsrisiko, wenn die individuelle Bewältigung misslingt.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass es im Gesundheitsmanagement viel mehr um die Stärkung der Eigenverantwortung von Mitarbeitern und deren Entwicklung von Stresskompetenz gehen sollte.

 

Quellen: https://www.who.int/mental_health/evidence/burn-out/en/

Wenderoth, A.: Arbeit kann helfen. Umgang mit Depressionen. Interview mit Ulrich Hegerl. Brand eins.

Kaluza, G. (2018). Gelassen und sicher im Stress. Das Stresskompetenz-Buch. Stress erkennen, verstehen, bewältigen. Heidelberg: Springer.

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