WHO senkt kritische Grenze für Zuckerkonsum

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine neue Zucker-Richtlinie veröffentlicht, in der die Grenze für einen gesundheitlich unbedenklichen Zuckerkonsum gesenkt wird (1). Dabei bezieht sich die WHO auf den weißen Zucker, der mittlerweile nicht mehr nur in Süßspeisen enthalten ist, sondern sich auch in vielen anderen Fertigprodukten wie z.B. Soßen versteckt. Als empfohlener Grenzwert galt bislang ein Zuckerverzehr, der maximal 10% des täglichen Gesamtkalorienbedarfs deckt. Die Ergebnisse der zugrundeliegenden Meta-Analyse zeigen, dass diese Empfehlung zu hoch ansetzt. Der Anteil an Kalorien aus Zucker sollte demnach deutlich unter 10% liegen und sich an 5% statt an 10% orientieren. Diese 5% entsprechen ca. 25 Gramm Zucker (5 Teelöffel) pro Tag. In Deutschland beträgt der durchschnittliche tägliche Zuckerkonsum derzeit 103 Gramm pro Tag.

Übergewicht als Risikofaktor nimmt weltweit stark zu

Anlass der Studie und der daraus entstandenen Richtlinie ist die Feststellung, dass Übergewicht als Risikofaktor weltweit stark zunimmt. In Deutschland nimmt Übergewicht nicht nur in der Gesamtbevölkerung zu, sondern ist bereits bei jungen Menschen immer häufiger zu beobachten (2). Starkes Übergewicht begünstigt eine Vielzahl von Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verschiedene Krebserkrankungen sowie Bluthochdruck (3). Es ist zudem mit einer Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit assoziiert. Mitarbeiter mit einem BMI von 30 und mehr haben eine 4,3% geringere berufliche Leistungsfähigkeit als Mitarbeiter mit einem BMI unter 27 (4).

In Bezug auf ein Unternehmen mit 100 stark übergewichtigen Mitarbeitern, die durchschnittlich 31.981 Euro verdienen (5), würde dies einen jährlichen Produktivitätsverlust von 137.518 Euro bedeuten. Dieser Verlust entsteht allein durch das starke Übergewicht und der damit einhergehenden reduzierten Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Zusätzlich zu dem Produktivitätsverlust durch Präsentismus kommen die Einbußen durch vermehrte krankheitsbedingte Abwesenheit hinzu: Mitarbeiter mit Adipositas (BMI ab 30) fehlen laut einer Studie mit insgesamt 7.990 Teilnehmern im Durchschnitt 23,3 Tage, während Mitarbeiter mit leichtem Übergewicht und Normalgewicht deutlich weniger fehlen (Übergewicht (25 ≤ BMI < 30): 18 Tage; Normalgewicht (BMI < 25): 13,1 Tage) (6).

Mit BGM den Zuckerkonsum reduzieren

Für das Gesundheitsmanagement im Unternehmen ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz aller Mitarbeiter die Voraussetzung, um Übergewicht und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen der Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu vermeiden. Dabei genügt es nicht, beispielsweise Informationen über gesunde Ernährung zu vermitteln. Gesundheit braucht Kontinuität und Steuerung, weshalb der authentische Gesundheitsdialog zwischen Führungskraft und Mitarbeitern das derzeit wirksamste Instrument zur Reduzierung vom Zuckerkonsum und damit zur Steigerung der Leistungsfähigkeit darstellt.

 

Quellen:

(1)     Guideline: Sugar intake for adults and children. Geneva: World Health Organization; 2015.

(2)     Kurth, B.-M. (2012). Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS). Bundesgesundheitsblatt, 1-11.

(3)     Flegal, K.; Kit, B.; Orpana, H.; Graubard, B. (2013). Association of All-Cause Mortality with Overweight and Obesity Using Standard Body Mass Index Categories A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA, 309, (1)

(4)     Kleinmann, Abouzaid, Andersen, Wang & Powers (2014). Cohort Analysis Assessing Medical and Nonmedical Cost Associated With Obesity in the Workplace. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56 (2), 161 – 170.

(5)     Durchschnittseinkommen in Deutschland. Statista, 02.06.2015, de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen

(6)     Lehnert, T.; Stuhldreher, N.;  MSc, Pawel Streltchenia, P.; Riedel-Heller, S.; König, H. (2014). Sick Leave Days and Costs Associated With Overweight and Obesity in Germany. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56 (1), 20.27.

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