Digitale Gesundheit: Deutschland auf vorletztem Platz

Elektronische Patientenakten, Telemedizin, Gesundheits-Apps – das Gesundheitswesen wird immer digitaler. Eine solche Entwicklung lässt sich allerdings nicht überall erkennen, ganz besonders hierzulande nicht. In einer Ende 2018 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt Deutschland in Sachen digitale Gesundheit den vorletzten Platz.

In der Studie wurden insgesamt 17 Länder untersucht. Die Spitzengruppe bildet dabei Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien. Nur Polen schneidet in puncto Digitalisierung noch schlechter ab als Deutschland. Als Maßstab für diese Bewertung gilt der sogenannte Digital-Health-Index – je höher dieser ist, desto besser. Ein hoher Indexwert ist insbesondere bei den Ländern vorzufinden, die eine effektive Strategie, politische Führung und nationale Koordinationsstelle in Einklang bringen. Digitale Technologien gehören hier bereits zum Alltagsgeschäft. So werden Rezepte digital übermittelt, Informationen werden nicht mehr auf Papier, sondern in elektronischen Akten festgehalten und Untersuchungsergebnisse sowie Impfdaten können online eingesehen werden. In Ländern wie Israel und Kanada sind sogar Ferndiagnosen und Fernbehandlungen per Video fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung.

Doch warum hinkt Deutschland beim Thema digitale Gesundheit so hinterher?

Die Vorzeichen standen eigentlich gar nicht schlecht. So hatte die Bundesregierung zum Beispiel schon 2003 die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen. Außerdem gibt es bereits länger erfolgreiche digitale Pilotprojekte. Das Problem ist, dass die digitalen Neuheiten nicht bundesweit und für alle nutzbar sind. Das Ziel muss es sein, die Verantwortlichen auf einen Nenner zu bringen.

Was ist nun konkret zu tun?

Aus der Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben sich folgende Handlungsempfehlungen:

  • Der digitale Wandel im Gesundheitswesen muss durch eine entschlossene politische Führung aktiv vorangetrieben werden
  • Eine zentrale Koordinationsstelle, die alle relevanten Institutionen, Interessengruppen, Experten und Nutzer mit einbindet, muss eingerichtet werden
  • Die Entwicklung muss in einzelne kleine Teilabschnitte gegliedert werden
  • Die Politik muss die Kommunikation zu den Bürgern und den Ärzten verbessern und diese bei Entwicklung von Strategien systematisch mit einbeziehen

 

Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Der_digitale_Patient/VV_SHS-Gesamtstudie_dt.pdf

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