Wie Apps das Gesundheitsverhalten verbessern können

Bisherige Studienergebnisse zeigen, dass die Nutzung von Gesundheits-Apps z.B. zu einer Verbesserung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens beitragen können. In einem aktuellen Review zeigten 17 von 23 Studien positive Effekte hinsichtlich der Veränderung von Verhalten (1). Laut der Autoren seien die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Studiendesigns teilweise nur wenige Teilnehmeranzahlen beinhalteten. Nur circa ein Viertel der untersuchten Apps basierten dabei auf verhaltenstheoretischen Modellen. Diese Bilanz hinsichtlich eines wissenschaftlichen Fundaments der Apps ist erschreckend schlecht, wenn man berücksichtigt, dass die Weltgesundheitsorganisation Bewegungsmangel, Fehlernährung, riskanten Alkoholkonsum sowie das Rauchen als die größten Gesundheitsgefahren benannt hat und Lösungen benötigt, die möglichst effizient das Gesundheitsverhalten verbessern.

Welche Qualitätskriterien sollten wirksame Apps mindestens erfüllen?

Eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg (2) weist vor allem auf zwei grundlegende Qualitätskriterien hin, die einen Effekt auf die Gesundheit der Nutzer wahrscheinlicher machen. Eine App müsse demnach auf der Grundlage wissenschaftlich bestätigter Theorien basieren, z.B. aus den Sozial-, Verhaltenswissenschaften, der Epidemiologie oder der Biomedizin. Außerdem steigere ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen oder Public Health Spezialisten sowie App-Entwicklern mit technischem und designerischen Fähigkeiten die Wirksamkeit der App.

Nur selten seien an der Entwicklung von Gesundheits-Apps diese Kompetenzen alle beteiligt. Erschreckend wenige Apps würden zudem die evidenzbasierten Empfehlungen aus den Bereichen Ernährung, Bewegung und anderen Handlungsfeldern des Gesundheitsverhaltens berücksichtigen.

Bisherige Untersuchungen zeigen, dass das Interesse an Gesundheits-Apps bereits nach wenigen Wochen nachlässt. Eine weitere entscheidende Herausforderung sei es demnach, Nutzer dauerhaft an die App zu binden. Die einfache Anwendung sowie die Verständlichkeit der Funktionen und eine ansprechende visuelle Gestaltung der App seien Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Nutzung. Außerdem legen App-Nutzer gerade bei gesundheitsrelevanten Daten einen hohen Stellenwert auf Datenschutz. Es seien somit Konzepte gefragt, die sich dem technischen Fortschritt anpassen können.

Welche funktionalen Inhalte sollten Gesundheits-Apps enthalten?

Grundsätzlich lassen sich Gesundheits-Apps in drei Schritte der Verhaltensänderung unterteilen:

  1. Bereitstellung von gesundheitsrelevanten Informationen zu einem bestimmten Thema und Steigerung der Motivation,
  2. Befähigung zur Verhaltensänderung,
  3. Dokumentation des Fortschritts und somit Stärkung des veränderten Verhaltens der Nutzer.

Die dritte Eigenschaft wiesen lediglich 6,7 % der untersuchten Apps auf und nur jede 50. App berücksichtige alle der drei beschriebenen Ebenen und führe somit zu einer langfristigen Veränderung des Gesundheitsverhaltens. Wenn Sie als Unternehmen digitale Gesundheitsdienstleistungen einkaufen, sollten Sie daher auf die im Bild zusammengefassten Aspekte achten:

 

 

Fazit

Evidenzbasiertes Vorgehen scheint in der Prävention von verhaltensbedingten Risiken noch kein Standard für Gesundheitsdienstleistungen zu sein. Bei Berücksichtigung der genannten Qualitätskriterien können Apps jedoch die Veränderung von Gesundheitsverhalten positiv unterstützen und vor allem Unternehmen mit vielen Mitarbeiten kosteneffiziente Lösungen bieten. Benennen Sie klare Ziele für den Einsatz der Dienstleistung und evaluieren Sie deren Erfolg durch eine Vorher-Nachher-Messung. Ein White Paper dazu haben wir gemeinsam mit der Wirtschaftswoche veröffentlicht.

 

Quellen:

(1) Jing Zhao, Becky Freeman, Mu Li (2016). Can Mobile Phone Apps Influence People’s Health Behavior Change? An Evidence Review. J Med Internet Res. 2016 Nov; 18(11): e287.

(2) Dr. Martin Lucht, Rainer Bredenkamp, Dr. Martin Boeker et al.., (2015). GESUNDHEITS- UND VERSORGUNGS-APPS. Hintergründe zu deren Entwicklung und Einsatz. Universitätsklinikum Freiburg, Studienzentrum.

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