IMMUNSYSTEM UND
ÜBERGEWICHT

WARUM ÜBERGEWICHT DAS IMMUNSYSTEM BEEINFLUSST!

Für viele Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, verläuft die Erkrankung harmlos oder sie bemerken gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Bei den Personen, die einer Risikogruppe angehören besteht ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Neue Studien belegen, dass zum Beispiel fettleibige Personen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und den Tod durch SARS-CoV-2 haben. Außerdem folgen bei diesen Menschen häufiger Langzeitfolgen durch das Coronavirus, wie zum Beispiel Lungenschäden oder die Entwicklung einer Demenz.

Wieso sind fettleibige Personen gefährdeter als normalgewichtige Menschen?

Das Immunsystem von Menschen mit Adipositas ist schwächer als von Personen mit Normalgewicht. Oft weisen fettleibige Menschen chronische Entzündungen im Körper auf, wodurch die Immunabwehr verschlechtert wird. Vor allem in Bauchfettgewebe werden entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt, die zu chronischen Entzündungen im gesamten Körper beitragen. Ein Beispiel für solche Entzündungen ist Asthma. Diese Entzündungen können vor allem durch eine Ernährung mit viel gesättigten Fetten, Zucker und Weißmehlprodukten entstehen. Des Weiteren ist eine ungünstige Hormonzusammenstellung bei Fettleibigen verantwortlich für ein geschwächtes Immunsystem. Studien belegen außerdem, dass Fettgewebe zu einem Defekt der angeborenen Immunität führt.

Sehr besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass Personen mit Adipositas trotz Impfung einen verminderten Schutz vor Grippeviren haben. Erwachsene Empfänger einer Influenzaimpfung mit Adipositas weisen trotz Impfung eine doppelt so hohe Anzahl von Influenza und/oder grippeähnlichen Erkrankungen auf.

Fettleibige Bevölkerung als Gefahr für die gesamte Bevölkerung

Jüngste Erkenntnisse deuten auch auf Folgendes hin: Je höher der Anteil an fettleibigen Personen in der Bevölkerung, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von ansteckenden Viren. Ein Grund dafür ist, dass adipöse Personen mit Influenza das Virus über einen mehr als doppelt so langen Zeitraum ausscheiden als normalgewichtige Menschen. Dadurch erhöht sich die Chance, das Virus auf andere zu übertragen. Somit kann ein höherer Anteil an adipösen Personen die Gesamtmortalität der Bevölkerung durch einen Virus erhöhen.

COVID-19 und Übergewicht

Das Robert-Koch-Institut stuft Adipositas als einen Risikofaktor für einen schweren Covid-19 Krankheitsverlauf ein. Laut einer im Fachblatt „Clinical Infections Diseaes“ veröffentlichen Studie kann aufgrund des Gewichts bereits eine Prognose zum Krankenheitsverlauf getroffen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer notwendigen Krankenhausbehandlung durch eine Coronaerkrankung ist demnach bei Menschen unter 60 Jahren mit Body-Mass-Index über 30 doppelt so hoch, wie bei Menschen unter 60 Jahren mit einem Body-Mass-Index unter 30. Die durch Übergewicht verbunden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und verkalkte Herzkranzgefäße erhöhen die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs und können durch den Lebensstil verändert werden. Ausreichend Bewegung ist somit ein wichtiger Aspekt zur Risikosenkung eines schweren Krankheitsverlaufs.

Eine aktuelle Studie der Liverpool University in Zusammenarbeit mit dem Imperial College London, die Daten von etwa 17.000 Patienten aus 166 britischen Krankenhäusern ausgewertet hat, kommt zu dem Ergebnis, dass stark übergewichtige an Covid-19 erkrankte Menschen, die stationär behandelt werden müssen, eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit haben zu sterben (40 %) als normalgewichtige Corona-Kranke. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Forscher des NYU Langone Medical Center in Manhattan, die die Daten von insgesamt mehr als 4000 Corona-Patienten, die zwischen dem 1.März und dem 1.April behandelt werden mussten, ausgewertet haben.

Adipositas könnte Impfstoffwirkung abschwächen

Forscher in Rom konnten einen Zusammenhang zwischen einer abschwächenden Wirkung des Corona Impfstoffes und Adipositas feststellen. In einer Kohortenstudie wurde bei adipösen Impflingen eine niedrigere Menge an Antikörpern festgestellt. Dies erhöhe zwar nicht das Risiko einer Erkankung an COVID-19, jedoch bleibt die Möglichkeit einer asymptomatischen Infektion und einer Weitergabe bestehen.

Gesunder Lebensstil als Gegenmittel

Um die Immunabwehr zu verbessern und Körpergewicht zu reduzieren, ist ein gesunder Lebensstil am wirksamsten. Durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung kann die Immunfunktion Die Studien belegen, dass wir durch unser eigenverantwortliches Handeln beeinflussen können, ob wir zur Risikogruppe gehören oder nicht. Neben dem verminderten Ansteckungsrisiko und einem milderen Krankheitsverlauf können Langzeitfolgen durch Virusinfektionen mit Hilfe eines gesunden Lebensstils verhindert werden. Darüber hinaus werden mehr Menschen geschützt, wenn sich der Anteil an Normalgewichtigen erhöht.

Quellen
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