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NL15/02 – Artikel 2

Bewegungsmangel verursacht mehr als doppelt so viele Todesfälle wie ein Body Mass Index über 30. Laut einer Untersuchung mit 334.161 europäischen Frauen und Männern würden 7,4 % weniger Todesfälle eintreten, wenn allein die körperlich Inaktiven etwas mehr bewegen würden. 

Körperliche Inaktivität riskanter als Übergewicht


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Bewegungsmangel verursacht mehr als doppelt so viele Todesfälle wie ein Body Mass Index (BMI) über 30 (kg/m2 ≥ 30). Diese Schlussfolgerung zogen Ekelund und Kollegen in ihrer Kohorten-Studie mit 334.161 europäischen Frauen und Männern zwischen 25 und 70 Jahren (1). Der Untersuchungszeitraum betrug im Durchschnitt 12,4 Jahre. Laut Studienergebnissen würden 7,4 % weniger Todesfälle eintreten, wenn allein die körperlich Inaktiven (z.B. Büroangestellte in sitzender Tätigkeit, die sich in der Freizeit kaum bewegen) ihren Energieumsatz pro Woche um 35 Kilojoule (ca. 42 kcal) pro Kilogramm Körpergewicht steigern würden. Bei einem Körpergewicht von 80 kg entspricht das einem erhöhten Umsatz von ca. 672 Kilokalorien pro Woche (bzw. bei 65 kg ca. 546 kcal). Dabei zählen auch leichte körperliche Aktivitäten, die nur wenig anstrengen und im regenerativen Bereich liegen. Bewegung bei diesem Anstrengungsniveau reduziert zwar nicht den von der Weltgesundheitsorganisation definierten Bewegungsmangel, hat aber dennoch einen gesundheitlichen Effekt. Im Vergleich zu diesem Effekt, der erzielt würde, wenn alle körperlich Inaktiven sich etwas mehr bewegen würden, würden nur 3,7% der Todesfälle reduziert, wenn alle stark Übergewichtigen ihren BMI unter 30 hielten.

Zusätzlich zum BMI, dem Hüftumfang und der körperlichen Aktivität erhoben Ekelund und Kollegen weitere Gesundheitsverhaltensweisen wie z.B. die Rauchhistorie oder den Alkoholkonsum und kontrollierten deren Einfluss auf die Sterblichkeit. Über alle Gewichtsklassen hinweg hatten die etwas körperlich Aktiven im Vergleich zu den Inaktiven eine reduzierte Sterblichkeit von 20 – 30%. In der Gruppe der Normalgewichtigen war das Sterblichkeitsrisiko bei den körperlich Aktiven sogar um 41% im Vergleich zu den Inaktiven reduziert.

Die größten Unterschiede in Bezug auf die Sterblichkeit wurden zwischen der Gruppe der körperlich Inaktiven und denjenigen mit nur etwas mehr Bewegung beobachtet. Somit betont die Studie die positive Wirkung, die bereits geringe körperliche Aktivität auf die Gesundheit hat. Für bislang Inaktive ist das eine gute Nachricht. Die Studie verdeutlicht zudem, dass ein Mangel an körperlicher Aktivität ein größeres Gesundheitsrisiko darstellt als leichter zu beobachtende Gesundheitsrisiken wie z.B. Übergewicht oder Rauchen. Nur den Wenigsten ist bekannt, dass Bewegungsmangel gesundheitlich genauso riskant ist wie das Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag (2). Derzeit haben 80% der Deutschen Bewegungsmangel, während ein Drittel der Deutschen raucht (3). Das damit verbundene Gesundheitsrisiko wird nach wie vor unterschätzt.

Quellen:

(1)     Ekelund et al. (2015). Physical activity and all-cause mortality across levels of overall and abdominal adiposity in European men and women: the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Study (EPIC). Am J Clin Nutr.

(2)     Berlin, J.A. & Colditz, G.A. (1990). A meta-analysis of physical activity in the prevention of coronary heart disease. American Journal of Epidemiology, 132(4), 612-28.

RKI (2013) „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland” des Robert-Koch-Instituts. Wichtige Ergebnisse auf einen Blick.