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Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei kohlenhydratarmer und eiweißreicher Ernährung - Teil II

Melanie Linnenschmidt

„Ausgewogene Ernährung“: Notwendige Zufuhr bestimmter Nährstoffmengen

Eine „ausgewogene Ernährung“ ist eine Ernährung, die durch eine bedarfsgerechte Zufuhr von Energie und Nährstoffen für Gesundheit und Wohlbefinden sorgt (4). Die  evidenzbasierten Ernährungsempfehlungen unabhängiger Institutionen sind aus den sogenannten „Nährstoffaufnahme-Referenzwerten“ abgeleitet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist das Institut, das die aktuellen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse aus internationalen Gremien für Deutschland zusammenträgt und seine Empfehlungen daher stets weiterentwickelt. Laut dieser Empfehlungen sollte die Ernährung zu 50-55% aus Kohlenhydraten bestehen. Sie dienen dem Körper als schnelle Energiequelle.  Vollkornprodukte enthalten mehr Ballaststoffe und führen zu einem langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels als Weißmehl-Produkte (5, 6). Auch aus diesem Grund sind Vollkornprodukte für eine länger anhaltende Konzentrationsleistung zu bevorzugen. Nicht zuletzt sind in Vollkornprodukten noch die in der Schale enthaltenen wichtigen Spurenelemente, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Vitamine, essentielle Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und andere bioaktive Pflanzenstoffe enthalten, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.  Kohlenhydrate gehören mit Fetten und Eiweißen zu den drei Makronährstoffen. Die Nährstoffzufuhr sollte zu 30% aus Fetten und zu 15-20% aus Eiweiß (Proteinen) bestehen. Letzteres entspricht einer Zufuhr von 0,75 Gramm Proteinen pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Proteine sind für Wachstum und Reparatur, Funktion und Struktur aller lebenden Zellen verantwortlich und daher lebensnotwendig. Die meisten sind essenziell und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden (7).

 

Weniger Kohlenhydrate – weniger Leistungsfähigkeit

Auch vor dem Hintergrund der beruflichen Leistungsfähigkeit ist eine Ernährung mit geringer Kohlenhydratzufuhr nicht zu empfehlen. Zwar sind essenzielle Proteine ebenfalls wichtig für die Denkleistung, seine Energie kann das Gehirn allerdings nur aus Glukose, also Kohlenhydraten beziehen (8). Trainings, die auf ein verbessertes Ernährungsverhalten von Mitarbeitern abzielen, sollten ausschließlich auf der Grundlage wissenschaftlich evidenter Empfehlungen, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zur Verfügung stellt, beruhen. Außerdem sollten sie die Kompetenz der Teilnehmer erhöhen, die teilweise in die Irre führenden Gesundheitsinformationen und Mythen bewerten und entsprechend für sich nutzen zu können.

Quellen:
(1) Lagiou, P., Sandin, S., Lof, M., Trichopoulos, D., Adami, H.O. & Weiderpass, E. (2012). Low carbohydrate-high protein diet and incidence
of cardiovascular diseases in Swedish women: prospective cohort study. BMJ 344:e4026.
(2) Leitzmann (2007). ZUSAMMENFASSUNG Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention: Eine globale Perspektive. DAS
GLOBALE NETZWERK DES WORLD CANCER RESEARCH FUND, 1. Auflage. Großbritannien.
(3) Ernährungsbericht 2012. Bonn: Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
(4) Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Nährstoffaufnahme-Referenzwerte und Ernährungsleitlinien.
(5) European Food Information Counsil (2012). Grundlagen: Fakten über Vollkorn.
(6) Biesalski, H. K. (2010). Ernährungsmedizin. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
(7) European Food Information Counsil (2012). Grundlagen: Kohlenhydrate.
(8) Gehirnstoffwechsel. Lexikon der Neurowissenschaft. Spektrum.de